Über das Busfahren in Peru
Posted on Thu, 22 Jan 2009 19:20:51 by Rene Buergi
Die Reise auf den Strassen Peru's ist selten ent-, spannend aber fast immer. Und entgegen den Erwartungen, funktioniert das System in den allermeisten Fällen ausgesprochen gut.
Es gibt die verschiedensten vierrädrigen öffentlichen Fortbewegungsmittel: Man hat die Wahl zwischen dem Collectivo (einem normalen Personenwagen, in welchem mehrere unabhängige Personen mitfahren), dem Combi (einem Kleinbus) oder einem grossen Bus einer Gesellschaft. Manchmal gibt es auch Micros (mittelgrosse Busse), welche wir bislang erst in Lima und Cuzco angetroffen haben.
Während die Taxifahrer hupend und mit erhobenem Zeigefinger durch die Strassen fahren, um auf sich aufmerksam zu machen, schreien die Combi-Beifahrer ihr Reiseziel aus der halbgeöffneten Schiebetüre. Manchmal so schnell, dass man als Gringo die Destination kaum erahnen kann, doch Hauptsache laut.
Um unterwegs auf einen Bus aufzusteigen, winkt man ihn mit einer Arm-Hand-Bewegung zu sich heran. Dies dürfte bei den Combis oder Taxistas nicht nötig sein: Sie haben einen längst entdeckt, da hat man sie noch nicht mal kommen sehen.
Obwohl es meist mehrere Combis gibt, welche über den Tag verteilt einen guten Service bieten könnten, fahren diese stehts zu gemeinsamen Zeiten: Z.B alle zusammen um 5 am Morgen und wiederum gleichzeitig um 13:00 Uhr am Nachmittag. Andersrum könnte es wohl sein, dass die Konkurrenz die bessere Tageszeit erwischt. So gibt's halt je nach Ort nur 2 Busfahrzeiten und man scheint sich daran gewöhnt zu haben.
Was die Fülltechnik der Combis angeht, so ist die Rechnung einfach: Es gibt 14 bequeme Plätze, 17 die 3 ziemlich unbequemen Rücksitze eingenommen. Falls bei der Abfahrt erst 18 dieser 17 Plätze besetzt sind, so wartet der Fahrer noch einige Minuten (manchmal auch eine halbe Stunde) bis auch die restlichen 2 Plätze voll sind (Hühner, Kartoffelsäcke, Hund und Kleinkinder ausgenommen, das quiekende Schwein muss sowieso auf's Dach). Und sollte unterwegs noch jemand zusteigen wollen, so ist das ganz bestimmt kein Problem: Es findet sich fast immer irgendwo ein freies Eckchen.

Die Erwartungshaltung an den zusteigenden Gast ist einfach: Er hat sich zu beeilen, denn Zeit ist Geld. Da kann es einem schon passieren, dass der Busfahrer das Gefährt erst 40m weiter vorne zum stehen bringt und der Beifahrer/Kassierer mit vorwurfsvollem Ton zuruft: "sube! sube! sube!". Will man in einen Bus mit begrenzter Platzzahl zusteigen, so sind Joggingschuhe ohnehin Pflicht. Am besten leiht man sie sich zusammen mit einem Paar Boxhandschuhe aus, denn ohne wird man es kaum schaffen, vor allen anderen sich zum letzten Sitz vorzukämpfen. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Ganz anders verläuft die Sache, wenn mehrere Combis am Strassenrand halten, insbesondere wenn sie fast leer sind. Dann wird mit Locksprüchen und falschen Angaben regelrecht um den Passagier gekämpft. Es ist schon vorgekommen, dass die Streitereien mit der Konkurrenz handgreiflich wurden und der Fahrgast plötzlich verdattert neben einer kleinen Prügelei stand. Die Taxistas wiederum ereifern sich manchmal zu riskanten Vorfahrten, um als erste aus einem Bus steigende Passagiere einsammeln zu können.
Es ist schwer zu sagen, ob das äussere der Combis etwas über den Zustand des Fahrzeuges oder gar über das Fahrverhalten des Chauffeurs auszusagen vermögen. Manchmal sind Lenkrad oder Gangschalthebel mit Klebeband geflickt. Die Gurten werden - sofern noch ganz - sowieso nur über die Knie gelegt, wenn man eine Polizeikontrolle passiert. Die Pneus sind oft abgefahren und die mieserable Federung ist höchstens dann von Vorteil, wenn sie zusammen mit den Schalglöchern verunmöglicht, dass die CD mit der lauten peruanischen Volksmusik das zweite oder dritte mal zu Ende läuft.
In den grossen Bussen, welche oft mit dem Gaspedal im Anschlag, monoton röhrend und trotzdem kaum schneller als im Schritttempo die Passstrassen hinauf schnauben, besteht das Entertainment meist aus einem Ballerfilm. Je mehr Tote und Explosionen, desto besser. Meistens wird das Programm noch ergänzt durch zwei "Selbstständigerwerbende", die zu Beginn einsteigen und auf der Fahrt 5 bis 25 Minuten lang darüber referieren, wie gut und gesund ihre Produkte sind oder weshalb man sie mit einem Zustupf unterstützen sollte.

Abgesehen vom Anblick der steil abfallenden Hänge einiger schlechter Passstrassen würde man sich in vielen grossen Bussen einigermassen sicher fühlen. Aber Achtung: Man hüte sich davor, auch sein Gepäck in Sicherheit zu wiegen! Ladrones haben auch bei uns schon versucht, die Fotoausrüstung zu stehlen. Es scheint trotz der Ehrlichkeit der meisten Peruaner ein Abenteuer, ob wohl Fahrrad und Rucksack unten im Gepäckteil bei der Ankunft noch da sind. Die oft praktizierte Markierung des Gepäcks mit einer Nummer und einer gewissen Menge Bostitch-Klammern hilft da wenig. Spätestens bei der Entgegennahme der Gepäckstücke interessiert sich dafür niemand mehr. Und wenn doch, wird so ungenau gearbeitet, dass nach der Abgabe von 6 Nummern lediglich 5 Gepäckstücke auftauchen. Gibt wohl weniger Ärger, als wenn eine Nummer übrig bleibt.
Bei den Collectivos hofft man manchmal, die christliche Figur, welche am Rückspiegel baumelt, möge für den Fahrgast beten: Wenn man im Kofferraum des überfüllten Collectivos sitzt und mit übersetzter Geschwindigkeit der Hölle entgegenbraust, ist jede Hilfe recht. Denn die Strassenseiten sind beide unser.
An der Kreuzung gewinnt wie überall der Stärkere den Vortritt, kleine Machtdemonstrationen und Rangordnungsevaluationen sind an der Tagesordnung. Trotzdem muss ich zugestehen, dass der Verkehr weit gesitteter verläuft als ich es in Indien erlebt habe, wo noch temperamentvollere Fahrweise sowie Kamele und Elefanten zum Verkehrschaos beitragen.
Die Preise sind meistens fair. Bei den Taxistas gilt es manchmal noch zu feilschen, jene Preise können recht hoch liegen. Doch die "Pasaje" für Bus, Collectivo oder Combi sind in der Regel für Gringos dieselben wie für Einheimische.
Ausgestiegen wird schliesslich mit dem Ruf "baja!" an der nächsten Strassenecke. Klar, dass da ebensowenig Zeit dafür bleibt, wie für das Einsteigen. Da kann sich auch die 80jährige Frau keinen Vorteil herausnehmen.
Und dann gibt es noch die selbsternannten Taxistas, welche des Nebenverdienstes wegens bei Ihrer Autofahrt gerne ein paar Leute mitnehmen. Aber auch dies hat seine Tücken...

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Machupicchu
Posted on Tue, 20 Jan 2009 23:33:54 by Sarah Huber
Für viele ist Machupicchu der Höhenpunkt ihrer Südamerika- oder Perureise. Für mich war es der Höhenpunkt meiner Abneigung gegen Massentourismus-Orte und seine Auswüchse. Dass Menschenkolonnen in der Anlage herumwandern, habe ich erwartet.

Darüber dass der Zug etwa das zwanzigfache der ortsüblichen Busse kostet, kann ich noch hinwegsehen. Das Instituto National de Cultura verdient sich auch eine goldene Nase an den Eintritten. Leider merkt man nur zu gut, dass sie sich nicht um die Besucher und dessen Zufriedenheit bemühen müssen.
Hier einige der Besucherregeln: -Die Anlage ist von 6:00 bis 17:00 offen. Um sechs Uhr morgens kommt man aber nur rein, wenn man ab 5:40 Schlange steht (in der Nebensaison). So hat man keine Chance, die Ruinen bei Sonnenauf oder -untergang zu bestaunen. -Es sind nur kleine 20 Liter Rucksäcke erlaubt. Das wird sehr genau kontrolliert, da sehr einfach. Meine Foto- und Regenausrüstung wurden knapp durchgelassen, das Stativ musste draussen warten. -Man darf keine Wegwerftrinkflaschen und keine Lebensmittel hinein nehmen und in der Anlage gibt es nichts zu kaufen. Sie gehen wohl davon aus, dass man nur eine 2-3stündige geführte Tour macht. Ich war nach 11 Stunden recht durstig. Das Problem ist, dass sie gar nicht kontrollieren können, was man im Rucksack hat, entsprechend liegt trotzdem Abfall rum. -Den Aussichtsberg Waynapicchu dürfen nur 400 Leute pro Tag besteigen: 200 ab 7:00 und 200 ab 10:00. Um eine Chance zu haben, bei diesen 400 zu sein, muss man möglichst früh anstehen. Ich bin um 6:30 angestanden und konnte als 175zigste um 7:50 los marschieren. -Toiletten gibt es nur am Eingang: weiss nicht was sie sich vorstellen, was man tun soll, wenn man nach 1-2 Stunden Anstieg zum Aussichtsberg ein dringendes Bedürfnis hat...(man darf ja dann nicht nochmals hoch).
Die blauen Plastikplanen für Restauration und Forschung auf dem Templo del Sol (eine der bedeutungsvollsten Gebäude mit schönen Inkamauern) stören offenbar auch nur mich.
Die Regeln für den Zug sind auch besonders praktisch: -Es ist nur ein Gepäckstück, Grösse Flughandgepäck von 5 kg (!) erlaubt. Das Gewicht wird zum Glück nicht kontrolliert, ich hätte sonst gut die Hälfte meiner Ausrüstung in Aguas Calientes lassen müssen. -Die Bahnhof-Absperrung und die Ticketkontrolle ist auch fast so wie am Flughafen. -Die Leute werden alle in einen Wagen gepfercht, im zweiten, fast leeren, Wagen macht es sich dann die Belegschaft gemütlich. (Alternativ zur 5 stündigen Zugreise gibt es eine günstigere 7-8 stündige abenteuerliche Busreise durch eine abwechslungsreiche Landschaft).

Bei all dem Warten und den Dingen die mich ärgerten, ist bei mir kein Staunen oder besonderes Gefühl über die mystische Bedeutung der Anlage aufgekommen. Aber ich gebe zu, dass der Standort schon eindrücklich ist und die Landschaft seine besondere Schönheit hat.


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